Mehr Action im Kult-Krimi

Schweiger-Tatort spaltet Zuschauer

Hamburg Stadtansicht

Tatort Hamburg (Bild: Alchemist-hp/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Der neue Tatort-Stil

Regisseur Christian Alvart ist seit 2013 als verantwortlicher Regisseur für einige Tatorte aktiv und versucht hierbei neue Akzente zu setzen. Neben seinen Tatorten ist er außerdem mit seinen Filmen „Antikörper“ (2005) und „Halbe Brüder“ (2015) bekannt geworden. Er setzt beim Ermittler-Duo Nikolas Tschiller und Yalcin Gümer auf charakterstarke Männer, die sich in einer rauen Welt behaupten müssen.

Die beiden Hauptdarsteller Til Schweiger und Fahri Yardim tragen diesen frischen Wind begeistert mit, um den „Tatort“ zu reformieren und Wege zu beschreiten, die es bisher noch nicht gab. Bereits im Jahr 2014 sorgte ein ganz anderer Beitrag der beliebten Krimi-Reihe für Aufsehen. Es handelte sich dabei um den ebenfalls actionreichen, aber zugleich lyrischen „Tatort: Im Schmerz geboren“.

Mit insgesamt 9,29 Millionen Zuschauern erreichte diese Folge nicht nur einen Marktanteil von 26 Prozent, sondern konnte neben dem Publikum auch die Kritiker begeistern und mehrere Preise gewinnen. Die aktuelle Doppelfolge, bestehend aus den Teilen „Der große Schmerz“ (1. Januar 2016) und „Fegefeuer“ (3. Januar 2016) ist hingegen eher umstritten.

Die Doppelfolge und ihre Protagonisten

Eigentlich sollten die Filme, die sogar im Kino gezeigt wurden, schon am 22. bzw. 29. November 2015 im TV laufen, allerdings entschied das Erste dies nicht zu tun, da die Terror-Anschläge in Paris gerade passiert waren. Man hielt die Ausstrahlung für unpassend, da in dem Spielfilmformat ebenfalls terroristische Handlungen eine Rolle spielen, die aus Pietätsgründen nicht in einem Actionfilm gezeigt werden sollten.

Mehr als acht Millionen Zuschauer wollten das neue Ermittler- Quartett sehen.

Mehr als acht Millionen Zuschauer wollten Schweiger und Yardim sehen. (Bild: Diana Drubig – Fotolia.com)

Der Hauptdarsteller Tschiller wird von Schweiger als einerseits knallharter Bulle und Ex-SEK-Ermittler dargestellt, der jedoch andererseits als treu sorgender Vater wegen der Tochter nach Hamburg zieht und dort seinen Dienst als Kriminalhauptkommissar antritt. Sein Kollege ist der idealistischere und weniger abgestumpfte Yalcim Gümer, der das Gewissen des Duos darstellt und seinem eigenwilligen Partner den Rücken frei hält.

In weiteren Rollen sind Luna Schweiger als Tschillers Tocher Lenny zu sehen, Helene Fischer als russische Mafiabraut Leyla und Stefanie Stappenbeck als Tschillers Ex-Frau Isabella, die bereits im ersten Teil der Doppelfolge gewaltsam ums Lebens kommt. In „Fegefeuer“ tritt unter anderem Judith Rakers als sie selbst auf und wird während ihrer Nachrichtensendung von Terroristen überrascht und als Geisel genommen.

Neben etlichen Actionszenen und Gewalt, kommen jedoch auch die Gefühle nicht zu kurz, die Schweiger in der Art und Weise präsentiert, die man von ihm kennt und die Fans sehr gern mögen. Er ist der Held und muss trotz heftigem Gefühlschaos Großes vollbringen und einen Erzfeind aus der Vergangenheit bekämpfen. Dabei übertritt er nicht nur einmal die Grenze zwischen Recht und Unrecht.

Die Kritik

Die Einschaltquoten für die beiden Tatorte waren zwar nicht schlecht, blieben aber hinter anderen Tagen zurück. „Der große Schmerz“ erreichte mit 8,24 Millionen Zuschauern eine Einschaltquote von 22,1 Prozent, während „Fegefeuer“ nur 7,69 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockte und somit 19,9 Prozent Quote erreichte.

Hauptkritikpunkt vieler Bewerter waren die unglaubwürdigen Herausforderungen, denen sich Kriminalhauptkommissar Tschiller gegenübersah. Die Kritik meinte, dass die Macher einfach zu viel gewollt hätten und es dabei übertreiben. Auch der Auftritt Helene Fischers, die in einer Klischeerolle mit Vulgärsprache glänzte, rief zahlreiche Kritiker auf den Plan.

Auf der anderen Seite loben auch viele Experten die neue Herangehensweise und den Mut, neue Wege zu beschreiten. Der Tatort kann zwar auf eine feste Zuseherschaft schwören und erreicht auch einen großen Teil der eher jugendlichen Zielgruppe, könnte aber durch diese Machart vor allem unter den jüngeren Zuschauern noch weitere hinzugewinnen.

Außerdem erscheinen die, man könnte sagen modernen, Tatorte nicht jeden Sonntag, sondern wechseln sich mit den eher klassisch gehaltenen Folgen ab. Dadurch kommen alle Zuschauer, auch jene, die Til Schweiger weniger gern sehen, auf ihre Kosten. Es wäre unklug und geradezu fahrlässig, wenn die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht bereit wären, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu experimentieren.

Til Schweiger Stern

Til Schweiger und sein Stern auf dem Boulevard der Stars (Bild: NetAction/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Til Schweiger und seine Feinde

Direkt nach dem ersten Medienecho und damit verbundenen vielen negativen Kommentaren, postete Til Schweiger auf seiner Facebook-Seite einen längeren Beitrag. Darin schreibt er sehr emotional über die große Leistung des Regisseurs Christian Alvers und den Stolz, den er mit der Produktion verbindet.

Er dankt dem Kollegen und attestiert der Tatort-Doppelfolge ein Novum zu sein und damit aus seiner Sicht, Fernsehgeschichte zu schreiben. In gleicher Weise emotional beschimpft er Kritiker als unwissend und voreingenommen. Manche Kollegen und Journalisten sogar als Trottel. Die Arroganz, die man ihm dabei auf den ersten Blick unterstellen kann, ist jedoch auch ein Ausdruck von Frust und Enttäuschung.

Til Schweiger ist, ob man ihn nun mag oder nicht, mit Leib und Seele Schauspieler und Filmschaffender. Er steht voll und ganz hinter seinen Projekten, auch wenn er dabei oft massiven Gegenwind erhält. Er kann durchaus auf einige Erfahrungen und Erfolge zurückblicken und versteht nicht, warum die mediale Mentalität in Deutschland seiner Auffassung nach oft von Neid und Spott geprägt ist.

Vielleicht liegt das daran, dass Til Schweiger hier eher amerikanisch tickt und den Erfolg anderer anerkennt und gleichzeitig bereit ist, Altbewährtes aufzubrechen und eigene Akzente zu setzen. Bereits seit längerem lässt er für seine Filme keine Testvorführungen zu, da diese zu oft von der Kritik auseinandergenommen wurden und für ihn somit Sinn und Zweck verfehlen. Dennoch sollte er sich bemühen, sein Temperament zu beherrschen, um trotz aller Leidenschaft, die er zweifellos in sich trägt, nicht irgendwann verbittert oder gar ignorant zu wirken.

Trailer (November)

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