Katholikentags-Jubiläum 2016

100. Deutscher Katholikentag in Leipzig: Highlights

Ein besonderes Event

Der Katholikentag findet seit 1848 mit Unterbrechungen statt. Zuletzt versammelten sich katholische Laien und Geistliche 2014 in Regensburg unter dem Motto: „Mit Christus Brücken bauen“. Zu dem Ereignis treffen sich Katholiken aus ganz Deutschland, vor allem aus den Hochburgen des Katholizismus in den alten Bundesländern.

Die Themen des Deutschen Katholikentages sind vielfältig und werden bei über 1.000 Veranstaltungen während der fünf Tage auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck gebracht. Es gibt zahlreiche Konzerte und kreative Darbietungen und Workshops, aber auch Informations- und Beratungsveranstaltungen sowie Podiumsdiskussionen und Gottesdienste.

Angesichts der aktuellen religiösen und damit verbundenen politischen Spannungen in der Welt wird der Frage nachgegangen, wie Katholiken die Welt mit ihren Werten mitgestalten können. Ein sehr wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die Ökumene. Unabhängig vom Katholikentag fanden bereits zwei Ökumenische Kirchentage (2003 und 2010) statt, bei denen Protestanten und Katholiken gemeinsam feierten und diskutierten.

Waldbühne Berlin Dalai Lama

Partystimmung an der Berliner Waldbühne beim Besuch des Dalai Lama zum ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 (Bild: Tobias1983/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Programm und Geist der Veranstaltung

Ein großes Anliegen des Deutschen Katholikentags ist es, Jugendliche anzusprechen. Daher gibt es viele Veranstaltungen für junge Leute speziell ab 14 Jahren. Dazu zählen beispielsweise eine Jugendbühne, mehrere Spielstätten und Sportanlagen sowie Ruhepunkte sogenannte Chillecken.

Jugendliche sollen sich einbringen können und die Gesellschaft kritisch beleuchten dürfen. Die Veranstalter erwarten eine rege Beteiligung und auch schwierigere Themen werden nicht tabuisiert, sondern offen besprochen. Ein Austausch und eine Bewertung hinsichtlich der christlichen Werte sind angedacht. Der gemeinsame Diskurs soll aufzeigen, dass Jugendliche sich durchaus mit den Problemen der Welt beschäftigen und nicht ausschließlich konsumorientiert durch ihr Leben gehen.

Themen

  • Schulbildung und Werdegang
  • Flüchtlinge und Nächstenliebe
  • Sexualität und Drogen
  • Menschen mit Behinderung
  • Ökologie und Politik

Während manche Jugendliche ihre Ideen und Fragen, Anregungen oder Kritik mit einbringen sollen, ist ein weiteres Ziel andere Jugendliche für Probleme zu sensibilisieren und ggf. Rat und Hilfestellung in Konfliktsituationen zu liefern. Außerdem sollen die jugendlichen Gäste besinnliche Jugendgottesdienste erleben und die Gastgeberstadt Leipzig historisch erkunden können.

Der Austausch zwischen den Religionen ist ebenfalls ein entscheidender Diskussionsansatz, weswegen sowohl ein christlich-islamischer Dialog, wie auch ein christlich-jüdischer Dialog stattfindet. Auch das Problem des zunehmenden Atheismus und Ideen zur christlichen Aufgabe der Mission sind feste Programmpunkte.

Auch die Themen Familie und die Beziehungen zwischen Männern und Frauen sollen neu diskutiert und alte Denkmuster aufgebrochen werden. Hinsichtlich der Kinder und Jugendlichen wird debattiert, wie sich junge Menschen in einer Zeit, in der es einerseits die westliche Konsumgesellschaft und andererseits zahlreiche Krisenherde und große Armut gibt, positionieren können.

Kirche im Wandel?

Das 100. Jubiläum unter dem besonderen Motto: „Seht, da ist der Mensch!“ ist Rückbesinnung auf ein großes Erbe und Herausforderung für die Zukunft zugleich. Der Grundgedanke der Laienveranstaltung ist, als mündiger und werteorientierter Bürger gewissenhaft, sozial und moralisch in die Gestaltung des Landes mit einzugreifen.

Ein Auszug aus dem Gebet zum Deutschen Katholikentag 2016 lautet:

Die Welt hast du uns anvertraut: deine Schöpfung,
sie zu hüten, zu bebauen, in Frieden zu leben.
Ans Herz gelegt hast du uns
die Menschen mit ihrer Hoffnung und ihren Freuden,
ihrer Trauer und ihren Ängsten,
besonders die Armen und Bedrängten:
Öffne unsere Augen, Ohren und Herzen für die Not der Menschen.
Sende deinen Geist und lass inmitten einer zerrissenen Welt
versöhntes Miteinander und Frieden möglich werden.
Seht, da ist der Mensch!

Christen aus ganz Deutschland feiern ihr Bekenntnis zu Gott, ihren Glauben und leben das Christsein gemeinsam aus. Allerdings sind es vor allem die Laien in der katholischen Kirche, nicht zuletzt die jüngere Generation, die Fragen aufwirft und Debatten innerhalb der Kirche anstößt. Somit wird es auch keinen Besuch von Papst Franziskus geben. Unter dem Punkt „Glaube – Kirche – Theologie heute und morgen“ sollen Ansätze für Weiterentwicklungen gefunden werden.

Sehr wichtig ist den Teilnehmern die Frage nach der globalen Verantwortung und Zusammenarbeit mit anderen Gruppen. Innerhalb von Deutschland wünschen sich viele Katholiken eine Kirche zum Anfassen, Einsparungen und Kirchenschließungen sind anhaltende Probleme beider christlicher Konfessionen in Deutschland.

Leipzig – ein schwieriger Standort

Die Entchristianisierung ist insbesondere am diesjährigen Veranstaltungsort mit Händen greifbar. Die beliebte Messestadt Leipzig wächst und zählte im Sommer 2015 etwa 560.000 Einwohner. Neben ca. 70.000 evangelischen Christen (13 Prozent), einer wachsenden muslimischen Gemeinde, einer sehr kleinen jüdischen Gemeinde und zahlreichen Freikirchen und anderen leben in Leipzig nur etwa 26.000 Katholiken, was einen Anteil von gerade einmal 4 Prozent ausmacht.

Paradeplatz beim Katholikentag Mannheim

Mannheimer Paradeplatz zum 99. Katholikentag 2012 (Bild: Graf Foto/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Die meisten Menschen in Leipzig sind Atheisten oder Agnostiker. Als eine der ältesten Universitätsstädte, Wissenschafts- und Musikmetropole ist die Stadt durch viele junge Menschen und einen regen Diskurs über zahlreiche tagesaktuelle und weltpolitische Themen geprägt. Auch die friedlichen Proteste von 1989 wirken bis heute nach.

Insbesondere die Not der Flüchtlinge ist auch in Leipzig zur Zeit ein sehr großes Thema. Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist enorm, aber auch Widerstand in Form von ausländerfeindlichen Bündnissen und Demos findet statt. Dank des großen bürgerlichen Engagements konnten die Herausforderungen im Jahr 2015 gut bewältigt werden und auch 2016 werden die Notleidenden in der Stadt adäquate Betreuung erwarten dürfen.

Die Investitionskosten für Leipzig betragen etwa eine Million Euro, allerdings konnte Mannheim 2012 insgesamt ca. 4,3 Millionen Euro durch die Besucher wieder einnehmen. Somit wird Leipzig ein Vielfaches des Geldes über die Wirtschaft zurückgewinnen.

Im Vorfeld des Katholikentages gab es hinsichtlich der Teilfinanzierung durch die Stadt größere Debatten, da sich der Stadtrat von seinem Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), bekennender evangelischer Christ, übergangen fühlte. Dieser hatte rasch der Finanzierung zugesagt, da ein Event wie der Deutsche Katholikentag Leipzig nicht nur ein großartiges gesellschaftliches Ereignis darstellt, sondern auch viele zahlungskräftige Gäste in die Stadt lockt. Letztlich einigten sich die Parteien und alle Beteiligten kamen überein, dass dieser Tag eine echte Chance für die Stadt sei. Mit der neuen Propsteikirche in Leipzig, erhielt die Gemeinde außerdem den ersten Kirchenneubau in Ostdeutschland seit 1990. Auch dieser war in der Stadt nicht unumstritten.

Die Anreise wurde in Form von drei Sonderzügen organisiert, die von Rheine, Essen und Stuttgart mit mehren Zwischenstopps direkt nach Leipzig fahren.

Der Song zum 100. Kirchentag „Seht, da ist der Mensch!

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