Massiver Unternehmensum- und Stellenabbau

Yahoo steckt in der Krise

Yahoo Hauptquartier

Yahoo Hauptquartier in Sunnyvale (Bild: CoolCaesar/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Abwärtstrend seit 2012

Die Spekulationen über die nahende Entlassungswelle stehen bereits seit längerer Zeit im Raum. In den letzten drei Jahren verkleinerte sich die Zahl der Beschäftigten bereits um rund 42 Prozent. Während die direkten Konkurrenten wie Google oder Facebook ihre Umsätze massiv steigern, stagniert Yahoo auf konstantem Niveau und muss sogar große Verluste hinnehmen.

So lagen die Einnahmen im dritten Quartal 2015 bei ca. 1,22 Milliarden Dollar und damit exakt so hoch wie bereits im dritten Quartal 2012, als die Firmenchefin Marissa Mayer ihr Amt bei Google antrat. Sie galt als Hoffnungsträgerin und steht nun schwer in der Kritik. Im Vergleichszeitraum konnte Facebook beispielsweise einen Zugewinn der Umsätze von 1,3 auf 4,5 Milliarden Dollar verzeichnen.

Marissa Ann Mayer (*1975):

  • Studium der Informatik in Stanford
  • war die 20. Mitarbeiterin von Google
  • baute Google maßgeblich mit auf
  • seit 2012 Vorstands- vorsitzende bei Yahoo
  • gilt als eine der 50 mächtigsten Frauen der Welt
  • vereheiratet, drei Kinder
  • Gesamtvermögen ca. 300 Millionen Dollar

Das Kernproblem des Unternehmens ist es, nicht genug Geld von den vielen Usern abzuziehen bzw. deren Wert für die Werbung intelligent einzusetzen. Außerdem befürchtet man im Unternehmen, den Draht zu den jüngeren Generationen verloren zu haben. Stattdessen sind viele Anteile oder Ideen angekauft worden, deren Erfolg nicht sicher ist.

So investierte Firmenchefin Mayers beispielsweise in die Serie „Community“, die sie online nach deren TV-Aus weiterlaufen ließ, um damit eine jüngere Fangemeinde mitzunehmen. Der Plan schlug aufgrund zu geringer Resonanz fehl und bescherte dem Unternehmen einen Verlust von 40 Millionen Dollar.

Die schlimmste Botschaft, die die Geschäftsführerin nun endgültig zum Handeln veranlasst sind jedoch die Verluste des Jahres 2015. Während das Geschäftsjahr 2014 mit leichtem Minus von etwa 166 Millionen Dollar abgeschlossen wurde, verlor das Unternehmen durch Abschreibungen in 2015 insgesamt 4,43 Milliarden Dollar. Eine gewaltige Summe, die die Anleger und die Beschäftigten schockierte.

Kritiker aus den eigenen Reihen

Die Kritiker der aktuellen Yahoo-Führung kommen vor allem aus den Reihen der Anleger. Ein besonders großer Anleger ist der Investmentfonds SpringOwl, der nicht nur die Entlassung der Chefin selbst, sondern auch einen massiven Stellenabbau und die Schließung zahlreicher Standorte fordert.

Marissa Mayer

Marissa Mayer, CEO bei Yahoo (Bild: Regi51/Wikipedia unter CC BY 2.0)

Ginge es nach diesem Anleger, der sehr einflussreich zu sein scheint, sollten etwa 9.000 der 10.700 Stellen gestrichen werden. Selbst der Unternehmenssitz in Sunnyvale, Kalifornien sollte aufgegeben werden. Ende 2015 konnten die Anleger bereits erreichen, dass Mayers Pläne die Anteile an der chinesischen Verkaufsplattform Alibaba zu veräußern, gestoppt wurden.

Stattdessen sollten die Bereiche von Yahoo aufgeteilt und als zwei ausgelagerte und börsennotierte Unternehmen weitergeführt werden. Zum einen sollten dabei wirklich erfolgreiche Anteile genutzt werden, während andere zum Verkauf stehen und auf der anderen Seite sollte das Kerngeschäft wieder eigenständig gefestigt und aufgebaut werden, um vor allem zum großen Konkurrenten Google aufschließen zu können.

Tatsächliche Pläne für Yahoo

Nach den aktuellen Quartalszahlen hat Marissa Mayer angekündigt, weitreichende Umstrukturierungen vorzunehmen. Eine bittere Entscheidung für die Mitarbeiter ist die Streichung von etwa 15 Prozent der Stellen. Einige Standorte des Unternehmens dafür ihre Pforten schließen müssen.

Der Umbau beginnt bereits im ersten Quartal 2016 und bis zum Jahresende sollen dann noch 9.000 Mitarbeiter sowie 1.000 externe Angestellte für das Unternehmen tätig sein. Das Unternehmen hat bereits verkündet, dass die Entlassungen zwar schwerfallen, aber mit größter Transparenz und Rücksichtnahme auf die Belange der Angestellten durchgeführt werden sollen.

Standorte, die schließen werden:

  • Mexiko-Stadt
  • Buenos Aires
  • Madrid
  • Mailand
  • Dubai

Mit den Plänen sollen bis Jahresende etwa 400 Millionen Dollar eingespart werden. Das Kerngeschäft soll, wie bereits von den Anlegern gefordert, wieder ins Zentrum rücken. Das bedeutet auch, dass bestimmte Firmenanteile und Besitz veräußert werden, um weiteres Geld zu generieren. Darunter fallen verschiedene Immobilien und auch Patente, die mit dem Kerngeschäft nichts zu tun haben.

Ob die Umstrukturierungen Erfolge versprechen, lässt sich bisher nicht absehen. Allerdings gibt es auch wenig zu verlieren, da beispielsweise die Aktie in den letzten Jahren mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren hatte und nach den jüngsten Zahlen erneut ein Prozent einbüßen musste. Auch die Zukunft von Mayers ist mehr als ungewiss. Falls ihr Programm nicht rasch Erfolge zeigt, wird sie ihren Hut nehmen müssen.

Immer noch unklar bleibt der Umgang mit den Alibana-Anteilen. Yahoo hält 15 Prozent des asiatischen Mega-Konzerns. Allein dieser Anteil ist ebenso viel Wert wie das gesamte restliche Unternehmen Yahoo. Ob sich Mayer durchsetzen kann, und auch diesen Anteil veräußert, bleibt daher abzuwarten.

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