Sturmfluten fordern Land

Sylt verschwindet allmählich

Sylt

Ein Blick auf die Insel Sylt (Bild: Walter Rademacher/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Sylt und die Hörnum-Odde

Die Sylter kämpfen bereits seit Jahrzehnten mit dem Landverlust und müssen zurückblickend erkennen, dass nicht alle getroffenen Entscheidungen förderlich für die Insel waren. Im Zentrum steht beim Hochwasser- und Flutschutz natürlich der Erhalt der Siedlungen. Dazu wurden auch zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen.

In den 1970er Jahren wurde zum Schutz der Natur eine folgenschwere Entscheidung getroffen. Die Insulaner haben sich im Sinne des Naturschutzes dazu entschieden, im Süden keine Landschaftsveränderungen vorzunehmen, während sie die Westküste mit Tetrapoden befestigen ließen. Diese Maßnahme schützt bis heute den Norden der Insel und hat durch den Bruch der Wellen das Abtragen verlangsamt.


Eine Umrundung dauerte vor 30 Jahren fast zwei Stunden, heute ist es nur noch die Hälfte.

Allerdings wurden so die Wassermassen Richtung Süden gelenkt und haben den Landverlust an der Hörum-Odde deutlich verstärkt. Seit den 1970er Jahren ist sie auf rund ein Fünftel der Größe geschrumpft. Nach den neuerlichen Verlusten von November bis Januar ist sie vom Rest der Insel abgetrennt und kann nur noch bei Ebbe betreten werden. Besucher sollen zukünftig nur noch Umrundungen durchführen, um eine Einebnung der Mitte des Inselstücks vorzubeugen.

Während die Sylter zu großen Teilen bereits davon überzeugt sind, dass die Odde wohl nicht mehr zu retten ist, sehen Experten ihr Schicksal zwar ebenfalls kritisch, wollen aber Voraussagen meiden. Es bleibt abzuwarten, wie sehr das Wasser in 2016 und den Folgejahren auf das Land einwirkt. Zumindest der Nordteil scheint geschützt zu bleiben, berichtet der Geophysiker Arfst Hinrichsen.

Hörnum-Odde 2013

Schutzmaßnahmen Hörnum-Odde (Bild: Marschmensch/Wikipedia unter CC BY-SA 3.0)

Allgemeiner Landverlust und Risiken

Nicht nur Sylt ist den sich verändernden Klimabedingungen und regelmäßig stattfinden Sturmfluten ausgesetzt. In den letzten Jahrtausenden veränderten sich die Küstenlinien ständig. Betrachtet man die Ozeane entstehen gelegentlich neue kleine Inseln, die nach wenigen Jahren oder Jahrzehnten wieder verschwunden sind.

Abgesehen von den Inseln sind auch viele Küstenregionen dem Anstieg des Meeresspiegeles und immer heftiger verlaufenden Sturmfluten ausgesetzt. Die Niederlande beispielsweise kämpfen schon immer mit diesem Problem und haben in der Vergangenheit auch Gegenteiliges bewirkt und dem Meer Land abgerungen. Auch Hochwasser im Landesinneren stellt in Deutschland aller paar Jahre ein größeres Problem dar.

Deiche und Flutwände sowie andere Schutzmaßnahmen sind gute Instrumente, um bewohnte Areale zu schützen, aber auch die beste Bautechnik liefert keinen 100%-Schutz. Hinzu kommt, dass die Wasserschutzmaßnahmen hinsichtlich Deutschlands nicht einheitlich sind und von jedem Bundesland individuell gestaltet werden. Zukünftige engere Zusammenarbeit von Ländern wie Bremen, Hamburg, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein ist anzuraten.

Schutzmöglichkeiten/Konzepte

  • Deiche
  • Wellenbrecher/Tetrapoden
  • Sandvorspülungen/aufschüttung
  • künstliche Riffs anlegen
  • neue Wege des Schutzes denken

Obwohl sich Prognosen schwer gestalten, rechnet man im Durchschnitt pro 100 Jahre mit einem Meeresspiegelanstieg von etwa 20 Zentimetern. Dieser Anstieg könnte in den nächsten Jahrzehnten jedoch schneller verlaufen, sodass bis zu 30 Zentimeter innerhalb eines Jahrhunderts angenommen werden könnten.

Genug Zeit also, um sich neue Methoden zu überlegen und den Hochwasserschutz an den Brennpunkten zu verbessern und den Gewalten des Meeres zu trotzen.

Massiver Verlust an der Odde

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