Minderheitensprachen in Deutschland

Sorbisch und Romani – Vom Aussterben bedroht

Wilhelm von Humboldt hat einmal gesagt „Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache. Sie bestimmt die Sehnsucht danach, und die Entfernung vom Heimischen geht immer durch die Sprache am schnellsten.“ Der Schutz der eigenen Sprache, ist also der Schutz der Identität.

Die Identität der Sprecher und die kulturelle Vielfalt sind gefährdet, denn viele Sprachen in Europa drohen zu verschwinden. Allein in Deutschland gibt es fünf Minderheitensprachen, die historisch verankert sind: Niederdeutsch, Friesisch, Dänisch, Sorbisch und Romani.

In der letzten Woche berichteten wir über Niederdeutsch, Friesisch und Dänisch. Heute geht es um die Sprecher von Sorbisch und Romani in Deutschland

Leipzig, Graupen und Quark sind sorbisch

Sorbisch wird in Teilen Brandenburgs und Sachsens gesprochen. Die Menschen dieser Region sind, wie fast alle Sprecher einer Minderheitensprache in Deutschland, zweisprachig. Dort leben etwa 60.000 Sorben, davon sprechen ab nur 30 bis 50 Prozent die Sprache.

Sorbisch ist westslavischen Ursprungs und damit mit dem Tschechischen und dem Polnischen verwandt. Diese Sprache hat im Deutschen deutliche Spuren hinterlassen. Ortsnamen wie Leipzig und Chemnitz aber auch die Wörter Graupe und Quark sind beispielsweise aus dem Sorbischen abgleitet.

Romani: Verfolgt und Unterdrückt

Eine weitere Minderheitensprache in Deutschland ist Romani. Romani ist jedoch nicht auf eine Region begrenzt, verschiedene Dialekte dieser Sprache werden in ganz Europa gesprochen. Es ist die Sprache der Roma, einer Bevölkerungsgruppe, die ab dem 14. Jahrhundert von Indien nach Europa einwanderte.

In ganz Deutschland verteilt leben circa 70.000 Roma, die meisten von ihnen gehören hierzulande zu den Sinti. Die einzelnen Romani-Dialekte unterscheiden sich beträchtlich von einander. Sie alle haben ihren Ursprung im Alt-Indischen, wurden aber im Laufe der Zeit durch die Sprache des jeweiligen Landes verändert.

Romani beeinflusste aber auch häufig die Landessprachen. Auch das Deutsche hat, wenn auch nur im geringen Maße, Einflüsse aus Romani. Wörter wie „Zaster“ oder „Kaschemme“ haben ihren Ursprung in dieser Sprache.

Durch die Verfolgung der Roma und Sinti in der Zeit des Nationalsozialismus, wurde viele von ihnen ermordet und ihre Kultur wurde unterdrückt. Die verbleibenden Sprecher bekannten sich danach nur ungern zu ihrer Sprache. Der Gebrauch von Romani ist seitdem stark zurück gegangen.

Einige der Minderheitensprachen in Deutschland, besonders Sorbisch und Friesisch, sind auf lange Sicht vom Aussterben bedroht.

Charta will Minderheitensprachen retten

Es gibt einige Bemühungen die Minderheitensprachen zu erhalten, da mit ihnen ein Stück deutsches und europäisches Kulturerbe im Verschwinden begriffen sind. Der Verlust der eigenen Sprache würde für die Sprecher den Verlust der kulturellen Identität bedeuten.

Der Schutz von Regional- und Minderheitensprachen ist im deutschen Grundgesetz sowie in der europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen festgelegt. Die Sprachencharta setzt sich für den Einsatz dieser Sprachen in Bereichen wie Bildung, Medien und Justiz ein.

Optionen

Drucken Drucken Schriftgröße Schrift vergrößern Schrift verkleinern Schriftgröße zurücksetzen
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (noch nicht bewertet)
Loading...Loading...

Kommentar abgeben