Kurioses Denkorgan

Bei kleinen Spinnen reicht das Hirn bis in die Beine

Dass Männer zeitweise ihr Gehirn auslagern, ist ein altbekannter Scherz. Jetzt hat eine Gruppe von Forschern um William Wcislo vom Smithsonian Tropical Research Institute in Panama diese Fähigkeit tatsächlich im Tierreich entdeckt.

Wie die Zeitschrift „Arthropod Structure and Development“ Ende November in seiner Online-Ausgabe berichtet, untersuchten die Wissenschaftler neun Spinnenarten. Im Blickpunkt des Interesses lag das zentrale Nervensystem der zwischen Handteller und Stecknadelkopf großen Tiere.

Mach dem Gehirn Beine

Gelbe Spinne

Kleine Spinnen lagern ihr Gehirn in die Beine aus (Bild: aboutpixel.de / René Lutz)

Dabei machten sie eine erstaunliche Entdeckung. Je kleiner die Spinne war, umso mehr Platz forderte das Gehirn in ihrem Körper.

Bei den Kleinsten waren es etwa 80 Prozent des Vorderkörpers und sogar ein Viertel der Beine musste als Stauraum für die grauen Zellen herhalten.

Die praktische Erklärung für dieses Phänomen lieferten die Forscher gleich mit. Um eine Weiterleitung von elektrischen Reizen in den Nervenzellen zu gewährleisten, müssen diese eine Mindestgröße besitzen.

Außerdem ist der Zellkern einer Nervenzelle relativ groß. Anders gesagt, ein funktionsfähiges Gehirn lässt sich nicht beliebig schrumpfen.

Am extremsten ist der Platzbedarf beim Spinnennachwuchs zu erkennen. Dieser schafft seinem Hirn zusätzlichen Raum durch Beulen im Brustbereich. Ist die Spinne später ausgewachsen, verschwinden diese wieder von allein.

Graue Zellen im Vergleich

Je größer das Tier, desto kleiner sein Hirn, so lautet die Kernaussage des Haller’schen Gesetzes. Sein Namensgeber, der Schweizer Gelehrte Albrecht von Haller fand diese Beziehung bereits 1762 heraus.

Bei uns Menschen zum Beispiel macht das Gehirn gerade einmal 2 bis 3 Prozent unserer Körpermasse aus. Die kleinsten, bisher untersuchten Ameisen bestehen schon zu 15 Prozent aus grauen Zellen und bei der kleinsten Spinne sind es die genannten 80 Prozent.

Die Forscher vermuten außerdem, dass mit sinkender Körpergröße auch der Energiebedarf für das Gehirn wächst. Während wir etwa 20 Prozent unserer täglich benötigten Kalorien für unser Denkorgan aufwenden, sollen es bei den kleinsten Spinnen nahezu 100 Prozent sein.

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