Im Bann der Elemente – Part 2

Tsunami und Hurrikan – Die unbändige Kraft der Elemente

Wer kennt die Szene nicht. Sanfter Landregen prasselt an die Fensterscheibe, die Sonne schiebt sich durch die Wolkendecke und zaubert einen fantastischen Regenbogen an den Himmel. So lässt sich Herbstwetter ertragen.

Wenn der Himmel seine Schleusen öffnet

Elbe-Hochwasser 2002

Landunter im sächsischen Schlottwitz 2002 (Bild: Harald Weber)

Doch spätestens, wenn der Himmel seine Schleusen öffnet und sich das Wasser kübelweise ergießt, wird es ungemütlich.

Besonders dann, wenn Sonne und Wind den Boden zuvor kräftig ausgetrocknet haben, kann dieser die Fluten nicht schnell genug aufnehmen.

Erst bilden sich Rinnsale und dann wahre Sturzbäche, die alles mitreißen, was sich ihnen in den Weg stellt. Auch die Flüsse treten nun über ihre Ufer und die Katastrophe ist perfekt.

Doch nicht nur von oben kann Wasser eine verheerende Wirkung haben. Was Erdbeben an Land anrichten können, haben wir im vorangegangen Teil über die Naturkatastrophen gesehen. Doch was, wenn die Erde am Grunde der Ozeane bebt?

Wassermassen in Bewegung

Dann gerät das Meer in Schwingungen. Aber anders als bei normalen Wellen sind in diesem Fall nicht nur die obersten Schichten in Bewegung.

Die ganze Wassersäule vom Grund bis an die Oberfläche hebt und senkt sich jetzt. Vergleichbar mit einem Stein, der ins Wasser fällt, breiten sich diese Schwingungen ringförmig vom Zentrum aus.

Da der Ozean sehr tief ist, hat das Wasser jede Menge Platz zum Schwingen. Gefährlich wird es aber dann, wenn eine solche Welle die Küste erreicht.

In flachen Gewässern fehlt einfach der Platz nach unten und die Wassermassen türmen sich zu einer Welle auf, dem sogenannten Tsunami.

Das Fatale daran: Die Energie, die eine vielleicht 3.000 Meter „dicke“ Wasserschicht enthielt, steckt jetzt in einer einzigen Welle. Diese bahnt sich unaufhörlich ihren Weg hinein ins Land. Und was sich vor ihr retten konnte, wird spätestens auf ihrem Rückweg mit ins Meer gespült.

Welche Kräfte dabei frei werden, rückte am 26. Dezember 2004 ins Licht der Öffentlichkeit. Nach einem schweren Beben brach am zweiten Weihnachtstag eine Flutwelle über die Küsten Südostasiens herein und riss mindesten 230.000 Menschen in den Tod.

Weniger direkte Opfer, dafür aber Auswirkungen für die ganze Welt hatte der Tsunami am 11. März 2011. Obwohl Japan die gefährlichen Wellen zur Genüge kennt, passierte hier das Unfassbare. Die Wellen zerstören die Kühlpumpen eines Kernkraftwerkes und setzen die Notstromaggregate außer Gefecht – die nukleare Katastrophe nahm ihren Lauf.

Wenn Luft zur Gefahr wird

Das Auge des Taifuns

Das Auge des Taifuns Yuri vom Weltall aus gesehen (Bild: Image Science and Analysis Laboratory, NASA-Johnson Space Center)

Das letzte Element auf unserer Liste, die Luft, können wir nicht fassen. Trotzdem ist sie nicht weniger zerstörerisch, als die anderen drei.

Schon seit Urzeiten prägen Stürme das Antlitz unserer Welt. Die stärksten tragen Namen wie Hurrikan, Taifun, Zyklon, Tornado oder Orkan.

Während es sich bei den ersten drei um einen tropischen Wirbelsturm handelt, treten die beiden anderen in gemäßigten Regionen auf.

Vor allem die Sonne ist es, die einen Sturm entstehen lässt. Denn immer dann, wenn Luft erwärmt wird, steigt sie auf.

Dadurch sinkt der Druck in diesem Gebiet. Um diesen wieder auszugleichen, strömt Luft aus der Umgebung ein. Den Zustrom spüren wir als Wind.

Sind die Druckunterschiede besonders groß, dann nimmt auch die Macht der Luftströmung zu. Ab einer Windstärke 12 spricht der Fachmann von einem Orkan. Der Wind ist hier schneller als 117 Kilometer pro Stunde und lässt selbst dicke Bäume wie Strichhölzer knicken.

Eine Besonderheit ergibt sich dann, wenn ein solcher Sturm über dem Meer entsteht. Hier sorgt die Verdunstung des Wassers für einen steten Energietransport in große Höhen. Dadurch baut sich ein rotierendes Sturmsystem auf, dass je nach Region Hurrikan, Zyklon oder Taifun genannt wird.

Dieser bewegt sich mit gerade einmal 30 Kilometern pro Stunde fort. Doch die Luftmassen in seinem Inneren rotieren mit Orkanstärke. Nur ganz in seinem Zentrum, dem sogenannten Auge, herrscht absolute Windstille.

Der Pakt der Elemente

Besonders tragisch für uns Menschen wird es dann, wenn sich die Elemente Wasser und Luft vereinen. So tragen zu den Schäden eines Hurrikans nicht nur die enormen Kräfte der Luft bei. Was der Sturm ganz gelassen hat, vernichten die immensen Regenfälle.

Der bisher schwerste Tropensturm, der Zyklon von Ostpakistan im Jahre 1970, forderte zwischen 300.000 und 500.000 Opfer. Die Schäden, die er Wind und Wasser anrichteten, beliefen sich auf circa 450 Millionen US-Dollar.

Mit mehr als 100 Milliarden US-Dollar weitaus teurer war der Hurrikan Katrina, der im August 2005 in den USA wütete und Städte wie New Orleans im Chaos versinken ließ.

Eins zeigt der Blick auf die Kräfte der Natur. Unser Planet ist ständig in Bewegung. Erde, Feuer, Wasser und Luft formen und verändern ihn fortwährend. Und auch wenn die Elemente immer wieder Leid, Zerstörung und Tod verursachen, müssen wir uns wohl oder übel mit ihnen arrangieren.

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