Was Mensch und Frosch verbindet

Wie neue Super-Antibiotika zum Bumerang werden könnten

Noch vor Kurzem wurden sie als DIE Geheimwaffe im Kampf gegen gefährliche Krankheitserreger gehandelt – antimikrobielle Peptide, kurz AMP. Wie die Deutsche Welle am 11. Januar in ihrer Online-Ausgabe berichtete, arbeiten Grazer Wissenschaftler schon seit einiger Zeit an diesem vielversprechenden Ansatz für Antibiotika.

Neue Waffen für die Medizin

Petrischale

Durchwachsener Nährboden in einer Petrischale (Bild: Alexander Raths / Fotolia)

Peptide sind Proteine, die aus weniger als 100 Aminosäuren bestehen. Sie kommen in den verschiedensten Organismen vor und erfüllen dort mannigfaltige Aufgaben.

Dazu gehört unter anderem auch die Bekämpfung von Krankheitserregern als Teil des Immunsystems.

Hier attackieren sie eingedrungene Bakterien und sorgen dafür, dass uns nicht jeder „Angreifer“ zum Verhängnis wird.

Diese Tatsache wollten sich die Forscher eigentlich zunutze machen, um eine effektive Waffe gegen Krankheitserreger zu entwickeln.

Da die Bakterien nach bisherigem Kenntnisstand auch keinerlei Resistenzen gegen AMP entwickeln, sah man schon die Entscheidung im Krieg „Mensch gegen Bakterie“ in greifbarer Nähe gerückt.

Zu Risiken und Nebenwirkungen …

Doch jetzt warnen Michelle Habets und Michael Brockhurst, Forscher an der University of Liverpool vor den Gefahren auf AMP basierender Arzneimittel.

Für ihre Experimente benutzten sie den Wirkstoff Pexiganan. Das Peptid für diese Arznei hatten Forscher zuvor bei Fröschen gefunden.

Die Wirkung sei zwar nach die vor unbestritten, so die Wissenschaftler. Im Labor zeigte sich aber nun, dass die getesteten Krankheitserreger vom Stamme Staphylococcus aureus entgegen bisheriger Erwartungen doch Resistenzen ausbilden.

So spross auf den Petrischalen mit dem Antibiotikum nach einiger Zeit ein neuer, resistenter Erregerstamm. Doch damit nicht genug, denn eine andere Tatsache beängstigte die Forscher noch mehr.

Konnte bislang ein Peptid des menschlichen Immunsystems mit Staphylococcus aureus kurzen Prozess machen, war der neue Erregerstamm davon völlig unbeeindruckt.

Obwohl sich also der Wirkstoff des Frosches deutlich von den menschlichen Peptiden unterscheidet, können die resistenten Erreger unser Immunsystem aushebeln.

Im Klartext könnte das bedeuten, dass wir mit AMP basierten Antibiotika die eine oder andere Schlacht gewinnen, langfristig aber unsere körpereigene Verteidigung sabotieren.

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