Sprache zwischen Entrüstung und Hass

„Shitstorm“ ist Anglizismus des Jahres

"Shitstorm" für 2011 (Kebox - Fotolia)

„Shitstorm“ ist der Anglizismus des Jahres 2011. Das Wort „füllt eine Lücke im deutschen Wortschatz, die sich durch Veränderungen in der öffentlichen Diskussionskultur aufgetan hat“, begründete die Jury ihre Entscheidung am Montag.

„Shitstorm“, „Stresstest“, „circeln“

Der Anglizismus „Shitstorm“ bezeichnet eine Welle der Entrüstung, die zunächst über das Internet verbreitet wird und oft auch Eingang in die traditionellen Medien findet.

In der Begründung für dieses Wort heißt es weiter: „Es hat sich im Laufe des letzten Jahres von der Netzgemeinde aus auf den allgemeinen Sprachgebrauch ausgebreitet und gut in die Struktur des Deutschen eingefügt“.

Auf den zweiten Platz schaffte es „Stresstest“, das bereits zum Wort des Jahres gewählt wurde. Die Jury wählte „circeln“ auf Platz drei. Das Verb stammt aus dem sozialen Netzwerk Google Plus und bedeutet jemanden zu einer Kontaktliste hinzufügen.

Der Anglizismen-Hass

Anglizismen haben einen denkbar schlechten Ruf. So hat sich nicht nur der „Verein Deutsche Sprache“ gegen die Einwanderer aus dem englischen Sprachraum verschworen. Auch Äußerungen wie die von Hans Zehetmair, dem Vorsitzenden des deutschen Rechtschreibrats, schüren den Hass der Öffentlichkeit.

Das Wissen auch die Verantwortlichen der Wahl zum Anglizismus des Jahres. So heißt es auf ihrer Website: „Alle hassen englische Lehnwörter. Wir nicht.“ Nun hat sich mit ihnen eine Gruppe von Sprachwissenschaftlern den ungeliebten Wörtern angenommen.

Seit 2010 findet die Wahl zum Anglizismus des Jahres durch die Fachjury statt. Im vergangenen Jahr gewann „leaken“  mit der Bedeutung geheime Informationen von öffentlichem Interesse publizieren.

Eine Chance für jedes Wort

Die Initiative „Anglizismus des Jahres“ möchte den positiven Einfluss englischer Lehnwörter hervorheben und die Öffentlichkeit besser über Entlehnungsprozesse und Sprachwandel informieren. Sprachwissenschaftlich gesehen handelt es sich dabei um natürliche Prozesse, die mit der menschlichen Fähigkeit zur Sprache einhergehen.

„Wir geben jedem neuen Wort, egal, woher es stammt, zunächst einmal die Gelegenheit, seine Nützlichkeit unter Beweis zu stellen und vertrauen darauf, dass die Sprachgemeinschaft überflüssige Wörter schnell wieder aussortiert“, schreiben die Verantwortlichen auf der Website.

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