Geschichten von Moral und Gier

Kommentar: Laut Studie gehen Reichtum und Gier Hand in Hand

Luxus und Reichtum sind schlecht für den Charakter (Bild:aboutpixel.de / Christoph Ruhland)

Die Studie eines Forscherteams unter Führung von Paul Piff von der University of California hat bestätigt, was viele schon vermutet haben: Reichtum verdirbt den Charakter.

Je höher der soziale Status einer Person ist, desto weniger Skrupel kennt sie im Umgang mit anderen Menschen.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Einige der Tests für die siebenteilige Studie fanden im Straßenverkehr statt. Hier wurde beobachtet, wer die Vorfahrtregelung oder Fußgänger auf dem Zebrastreifen missachtet. Neben Automarke und Zustand des Wagens wurden auch das Geschlecht des Fahrers und sein ungefähres Alter festgehalten.

Das Resultat: Vor allem die Besitzer großer Autos, die allgemein als Statussymbol gelten, verhielten sich rücksichtslos.

Im nächsten Schritt mussten Studenten als Probanden herhalten. Diese wurden gebeten, ihren eigenen sozialen Status zu notieren und sich im Vergleich mit dem amerikanischen Durchschnitt einzuordnen. Der eigentliche Test fand während einer „Pause“ im Warteraum statt.

Eine Schale mit Bonbons diente als Lockmittel. Diese, so wurde den Probanden erzählt, seien für Kinder vorgesehen. Doch wer Appetit verspüre, könne auch zugreifen. Anschließend zogen sich die Wissenschaftler zurück und beobachteten die Szenerie.

Das Ergebnis dürfte jedem eingefleischten „Simpsons“ Fan nur ein leichtes Grinsen entlocken. Denn da ist es das beliebte Laster eines bekannten Milliardärs, Kindern Süßigkeiten zu entwenden. Nun zeigte auch die Studie: Wer sich selber in eine hohe soziale Stufe einordnete, griff auch bei den Süßigkeiten eher zu.

Auch Spiele um Geld führten zu einem ähnlichen Ergebnis. Wer ohnehin schon viel hat, betrügt und lügt, um noch mehr zu bekommen.

Die Gier führt zu Reichtum und Macht

Euroregen

Wer Geld hat, will mehr - koste es, was es wolle (Bild: aboutpixel.de / Sebastian Röske)

Die Erklärung für ihre Ergebnisse lieferten die Forscher gleich mit.

Der Umgang mit der Gier ist für Reiche und Mächtige etwas Positives, deshalb entwickeln sie auch seltener Skrupel.

Auch die Finanzbranche belegt eindrucksvoll die These. Die beiden mächtigsten Triebfedern an den Börsen sind Angst und Gier.

Wenn Letztere regiert, dann kennen die meisten Spekulanten kein Halten mehr, auch wenn hinterher Unternehmen oder ganze Staaten am Rande des Ruins stehen.

Angeboren scheint der Hang zum Reichtum aber nicht. Denn zur Überprüfung ihrer These lehrten die Wissenschaftler Probanden niedriger sozialer Schichten eine positive Haltung gegenüber der Gier. Dadurch stieg plötzlich auch deren Hang zum Lügen und Betrügen.

Der Zeigefinger in Richtung der Reichen und Mächtigen ist jetzt schnell erhoben. Was aber, wenn es gerade diese Kraft ist, welche die menschliche Entwicklung vom Jäger und Sammler zur Hightech-Nation erst möglich macht?

Denn auch wenn die Gier als eine der Todsünden gebrandmarkt, und als moralisch verwerflich angesehen wird, scheint sie doch die eigentliche Triebfeder des menschlichen Handelns zu sein.

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